Selbstverteidigung für Blinde und Sehbehinderte

Zum dritten Mal in Folge richtete der BSC Samurai Marburg e.V. einen Selbstverteidigungs-Workshop für Blinde und Sehbehinderte aus. An einem sonnigen Wochenende trafen sich 17 motivierte Teilnehmer*innen, darunter 12 Sehbeeinträchtige oder Blinde in der Gymnastikhalle der blista, um Strategien zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung zu lernen.

Der Workshop wurde fachkundig von Juan de la Fuente Briones geleitet, der unter anderem den 6. Dan Ju Jutsu trägt, Referent für Lebensältere, Behinderung/Inklusion in Ju Jutsu Verband Rheinland-Pfalz ist und seit über 50 Jahren auf der Matte steht – seit 2022 blind.

Mit der fleißigen Hilfe der anwesenden Trainer*innen aus dem BSC Samurai konnte Juan so ganz authentisch seine zwei großen Themen vermitteln: „Mach dich stark!“ und „Viel zu lernen du noch hast!“ – wobei sich letzteres sowohl auf die Seheingeschränkten bezog, die noch viel im Bereich Selbstverteidigung lernen können, als auch auf die Trainer*innen, für die dies im Bereich der Blindenpädagogik gilt.

Gruppenbild: Mehrere Personen in Sportkleidung lächeln in die Kamera. 15 Personen stehen, 2 Personen knien hinter und neben einem Aufsteller von Pro Retina und dem DJJV e.V.. Mit gelbem Langarmshirt Juan de la Fuente Briones (Referent), neben ihm in weißem T-Shirt Ingo Becker (Behindertenbeauftragter JHHV e.V.) Auf dem Aufsteller sind zwei Kampfsportler im Gi in einer (Wett-)kampfsituation abgebildet. Die eine Person trägt Sonnenbrille, Armbinde und Langstock und schlägt der anderen Person den Langstock auf den Fuß. Über beiden befindet sich ein Sprechblase mit dem Inhalt „Viel zu lernen du noch hast.“ Unter ihnen steht die Textzeile: „In der Dunkelheit liegt die Kraft!“

Neben einigen konkreten Techniken (z.B. gegen unerwünschtes Greifen am Arm oder Handgelenk) gab es v.a. auch ganz viele Möglichkeiten Körper- und Bewegungserfahrungen zu machen, die man sich als seheingeschränkte Person vielleicht erst einmal nicht unbedingt zutraut. Mit riesigem Elan ließen sich alle Teilnehmer*innen darauf ein, zu boxen, zu treten, zu schieben oder zu ziehen, laut zu sein, also kurz gesagt, sich zu wehren! Auch in dem auf diese Weise vorbereiteten – „Stresstest“ am Ende gab es niemanden, der aufgegeben hätte: Alle Teilnehmer*innen schafften es, sich aus einer Situation zu befreien, in der sie zuerst von mehreren Personen in die Ecke gedrängt wurden, dann mit Schlagpolstern attackiert wurden und zuletzt zu Boden gebracht und dort festgehalten werden sollten.

Mehrere Personen in Sportkleidung trainieren auf grünen und roten Judomatten. Eine Frau wird von drei anderen Personen mit großen Schlagpolstern „eingequetscht“. Weiter vorne im Bild stehen schon zwei weitere Personen mit Handschlagpolstern bereit.

Die Teilnehmer*innen berichteten hinterher von einem hohen Adrenalinpegel und davon, dass sie in dieser Situation nicht mehr über einzelne Techniken nachdenken konnten, aber dass sie ihren Kopf „abschalten“ und sich „irgendwie“ wehren konnten. Die beobachtenden Trainer*innen konnten eine tolle mentale Einstellung, unglaublich viel Energie und auch einige der zuvor geübten Techniken bei den Teilnehmer*innen beobachten. Ein tolles Ergebnis nach nur zwei Tagen Workshop!

1: Eine junge Frau liegt rücklings auf dem Boden. Zwischen ihren Beinen/an ihren Knien kniet Referent Juan, beugt sich über sie und hat seine Hände an ihre Schultern gelegt. Die junge Frau liegt leicht seitlich und hat ihren linken Fuß an seinem rechten Knie aufgesetzt. Sie hält seine Handgelenke fest.
2: Die junge Frau liegt auf der Seite und hat ihren Angreifer auf seine rechte Seite abgekippt/gerollt (indem sie zuvor sein Bein weggeschoben hat und ihr anderes Bein über ihn schwingt).
3: Sie rollt weiter mit, wobei sie seine Hände weiterhin festhält. Sie kommt über ihn und…
4: .. kommt auf seiner Hüfte zum Sitzen und fixiert seine Arme auf seinem Bauch.

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